10 Jahre Blo-Ateliers | LichtenbergMarzahn, 16.05.2014

Lichtenberg. Zwischen den Bahngleisen am S-Bahnhof Nöldnerplatz hat sich in den vergangenen 10 Jahren auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes eine Künstlerkolonie entwickelt. Die Künstler wollen sich am Sonnabend, 17. Mai, ab 14 Uhr mit einem Tag der offenen Tür präsentieren und gleichzeitig ihren 10. Jahrestag als Ateliergemeinschaft feiern.

Betriebswerk 1999 stillgelegt
Von außen kaum sichtbar sind das Verwaltungsgebäude, die Kantine und die alten Werkstätten, in denen vor mehr als 20 Jahren Eisenbahner die alten Dampfloks reparierten. Die Loks gibt es hier nicht mehr und auch keine Eisenbahner. Die Bahn AG hatte das Betriebswerk im Juli 1999 stillgelegt und damit verließen die letzten Bahnmitarbeiter das Gelände. Erst Anfang 2003 wurde das Areal von Künstlern nach einem Ideenaufruf des RAW-Tempel e.V. aus Friedrichshain wiederentdeckt. Sie fanden Gefallen an dem Gelände und nahmen Verhandlungen mit der Deutschen Bahn über einen Mietvertrag auf.

Ein guter Mix von Kreativen
Der Verein Lockkunst e.V. wurde gegründet, der dann am 1. Juli 2004 mit der Bahn einen 10-jährigen Mietvertrag abschließen konnte. Mit dem Namen wollen die Künstler an die Vergangenheit des Geländes als Bahnbetriebswerk erinnern. Dabei wird „Lock“ nicht ohne Grund mit „ck“ geschrieben. Schließlich möchte man Besucher und Interessenten anlocken, gemeinsam Kunst zu machen. Dennoch ist der Zusammenhang zur Zeit der Lokomotiven immer noch deutlich. Mit Gründung des Vereins entstanden zugleich die „BLO-Ateliers“. BLO ist die alte Bezeichnung der Deutschen Reichsbahn für das Gelände. B für Bahnbetriebswerk, L für Lichtenberg und O für Ost. „Ganz zu Anfang gab es nur eine kleine Gruppe von sieben Künstlern“, erinnert sich die Pressesprecherin des Vereins, Karola Vogel. Aber in Berliner Künstlerkreisen sprach sich schnell herum, dass hier ausreichend Räume zur Verfügung stehen. Nach wenigen Monaten waren schon 40 Kreative auf dem alten Bahngelände. Der Mix reicht dabei bis heute vom Maler und Grafiker über Musiker bis hin zum Modedesigner. Viele Branchen sind vertreten. Es gibt Künstler, die mit Holz oder Metall arbeiten. Zum Teil werden noch die alten Werkstätten genutzt. Die ehemalige Kantine diente zunächst nur als etwas größeres Atelier. Inzwischen hat sie sich zum Proben- und Veranstaltungsraum entwickelt. Auf der anderen Seite des Geländes beschäftigen sich junge Leute mit dem Bau und der richtigen Handhabung von Pfeil, Bogen und Bumerang. Sie geben entsprechende Kurse für Kinder und Jugendliche. Bildhauer kreieren Skulpturen aus Stein und Beton. Der Modedesigner entwirft und schneidert elegante Abendkleider…

Lokschuppen ist baufällig
Inzwischen ist die Zahl der Künstler auf 65 angewachsen. Dazu gehören auch drei Bands, die im „Hexenhäuschen“ am Eingang zu den „BLO-Ateliers“ ihre Probenräume gefunden haben. Das Backsteingebäude ist das ehemalige Verwaltungsgebäude. Nur der große Lokschuppen steht leer. Er ist baufällig und darf nicht mehr betreten werden. Aber gerade für ihn gibt es neue Ideen. In der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Lichtenberg gab es den Vorschlag, die alten Gleisanlagen als S-Bahnmuseum zu nutzen.

Bahn will höhere Mieten
Zuvor gilt es jedoch erst einmal, ein existenzielles Problem zu lösen. Der 10-jährige Mietvertrag mit der Bahn läuft am 31. Juli dieses Jahres aus. „Wir stehen in Verhandlungen mit der Bahn und hoffen auf eine Verlängerung des Vertrages“, sagt Karola Vogel. Sie kann nicht verstehen, warum die Bahn plötzlich höhere Mieten haben will. „Alle Künstler zahlen ihre Mieten und Betriebskosten“, erklärt die Pressesprecherin. „Dazu leisten alle Vereinsmitglieder noch ‚Aufbaustunden‘ auf dem Gelände.“ Die Künstler pflegen die Grünanlagen und führen kleine Reparaturen selbst aus. Sie Künstler hoffen, dass es weiter gehen wird und sie bleiben können.

Politische Unterstützung kommt vom Bezirksamt und der BVV. „Es gibt eindeutige Beschlüsse, das Gelände als Kunstprojekt zu erhalten. Es ist die größte unabhängige Ateliergemeinschaft in Berlin“, betonte der Stadtrat für Immobilien und Bürgerdienste, Dr. Andreas Prüfer (Die Linke). Planungsrechtlich würden keine Änderungen zugelassen. Prüfer war vor zehn Jahren, damals als Wirtschaftsstadtrat, an den Anfängen der Künstlerkolonie beteiligt. Über das Urban-Projekt hatten die beiden Nachbarbezirke Friedrichshain und Lichtenberg Geld für Kunstprojekte bekommen. Daraus entstanden in Friedrichshain der RAW-Tempel und in Lichtenberg die BLO-Ateliers. „Wir werden dem Verein Lockkunst selbstverständlich bei den Verhandlungen mit der Bahn helfen“, so Prüfer. Aber bisher wollten die Künstler Absprachen mit der Bahn lieber allein treffen. „Wenn wir die Hilfe der Bezirkspolitiker wirklich brauchen, werden wir sie auch um Unterstützung bitten“, sagte die Pressesprecherin des Vereins Lockkunst. Sie hofft auch darauf, dass zum Tag der offenen Tür nicht nur viele Lichtenberger kommen, sondern auch Vertreter der Deutschen Bahn AG, damit sie sich vor Ort ein Bild machen können.

Die „Knattertones“ spielen zum Fest
Zum Jubiläumsfest öffnen alle Künstler ihre Ateliers und Werkstätten, stellen ihre Kunstwerke aus und laden zu Schnupperkursen ein. Gezeigt wird ein Querschnitt von Arbeiten aus den Bereichen darstellende, bildende, visuelle und audiovisuelle Kunst. Besucher können sich von 14 bis 20 Uhr in Malerei, Installation, Fotografie, Siebdruck, Bildhauerei, Eisen- und Feuerarbeiten ausprobieren. Natürlich werden Kinder und Jugendliche unter Anleitung Pfeil und Bogen oder einen Bumerang bauen können. Für Filmfreunde gibt es einen „Super 8 Filmworkshop“. Der Tag klingt mit einem Konzert der Band „Knattertones“ aus, eine der Bands, die im Hexenhäuschen proben. Die Knattertones sind keine „normale“ Rock-Band. Sie haben Verstärkung durch Bläser und zwei Sänger. Dazu gibt es noch eine Feuershow. Am Nachmittag sind spezielle Programme für die Kinder geplant. Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt. Weitere Informationen: Lockkunst e.V., Kaskelstraße 55, www.blo-ateliers.de.


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