Blo-Ateliers warten auf den neuen Mietvertrag | Berliner Abendblatt, 12.05.2014

Künstlergemeinschaft: Bahn fordert wesentlich höhere Zahlungen.

Bereits seit zehn Jahren gibt es die Lichtenberger Blo-Ateliers etwas versteckt auf einer dicht bewachsenen Grünfläche hinter dem S-Bahnhof Nöldnerplatz. Nur umrahmt von Gleisen der S- und Fernbahn stehen die sechs Häuser, für die die Bahn seit Ende der 90er Jahre keine eigene Verwendung mehr hatte. Seit zehn Jahren nutzen hier rund 65 Künstler und Kunsthandwerker die Flächen und Gebäude und schaffen Gemälde, Skulpturen, Mode und alle möglichen Installationen aus Holz, Metall, Stein, Textil, Licht und Ton. Nicht nur zu den Tagen der offenen Türen finden zahlreiche Besucher hierher, um sich inspirieren und überraschen zu lassen – die Blo-Ateliers gelten inzwischen berlinweit als eine echte Attraktion. In den unterschiedlich großen Häusern mit insgesamt 2.000 Quadratmetern Fläche wird seit dem Jahr 2004 experimentiert und produziert.

Niedrige Kosten

Dazu hat die Künstlergemeinschaft vor rund zehn Jahren einen Mietvertrag mit der Deutschen Bahn AG abschließen können. „Die Mietkosten sind für uns im Moment recht niedrig. Dafür haben wir aber gleich zu Mietbeginn die teilweise sehr maroden Gebäude und technischen Anlagen mit eigenen Mitteln instand gesetzt“, erklärt Karola Vogel, die Pressesprecherin des Kunstvereins. In den Jahren darauf blieb die Künstlergemeinschaft aus dem Gründungsjahr zu einem großen Teil weiter bestehen. „Wir schätzen, dass noch rund 80 Prozent der damaligen Gründungsmieter auch heute noch dabei sind. Die rund 65 Künstler fühlen sich hier wohl und schätzen es sehr, auf der kleinen grünen Insel mitten in der Großstadt kreativ tätig werden zu können“, so Vogel. Im Juli diesen Jahres endet die Vertragslaufzeit für das Gelände und dem Trägerverein „Lockkunst e. V.“ der Blo-Atelier liegt bereits der Entwurf eines Mietvertrag seit Januar vor. „Klar mussten wir nun mit einer Mietsteigerung rechnen. Aber dass wir gleich 220 Prozent mehr Kosten haben sollen, hat uns einfach geschockt“, gesteht die Pressesprecherin. Die Kostensteigerung kommt zustande, weil die Bahn ihren Aufwand für Modernisierungsmaßnahmen in die Miete neu mit einrechnen möchte. „Grundsätzlich ist die Bahn ja daran interessiert, mit uns den Mietvertrag zu verlängern. Allein die Verhandlungen über weitere Konditionen stehen noch aus“, erklärt Karola Vogel. Der Verein sei jetzt sehr verunsichert, da er seit Januar nichts mehr von der DB Services Immobilien gehört habe. „Wir hoffen ja, dass diese Kommunikationslücke eher was mit den internen Belangen der Bahn zu tun hat und nicht bedeutet, dass sich der Konzern mit der Verwertung der Immobilie anders orientiert hat“, so Karola Vogel. Für die Lichtenberger Kulturstadträtin Kerstin Beurich (SPD) steht fest, dass solch ein Kleinod im Bezirk unbedingt gehalten werden muss. Sie verspricht, sich nötigenfalls selbst in die Moderation zwischen der Immobiliengesellschaft der Bahn und der Künstlergemeinschaftv einschalten zu wollen. „Das sind genau die Projekte, die wir im Bezirk halten müssen, um auch unserem Leitziel der Kinder- und Familienfreundlichkeit gerecht zu werden“, begründet die Stadträtin ihre Ambitionen.

Offene Türen

Am Samstag, dem 17. Mai veranstalten die Blo-Ateliers ihren Tag der offenen Tür. Dann können sich neben Nachbarn und anderen Besuchern auch Politiker und vielleicht auch Vertreter der Bahn ihr Bild davon machen, wie wertvoll so ein Stückchen kreatives Kleinod hier vor den Toren des Kaskelkiezes sein kann.


Diesen Artikel können Sie auch als .pdf herunter laden

Abendblatt-Berlin_Lichtenberg_BLO-Ateliers-Mietvertrag_2014-05-10